The same procedure as every year

11. Januar 2022 | Energiewende, Pressemitteilung

Es hat im Odenwaldkreis schon Tradition, dass sich Politikerinnen zum Jahresbeginn mit der schwach ausgeprägten Windkraftnutzung im Kreis beschäftigen. Die CDU-Fraktion des Kreistags möchte gern eine Resolution nach Berlin senden, um bei der neuen Bundesregierung gegen den Ausbau der Windkraftnutzung zu protestieren.

PRESSEMITTEILUNG VON HARALD HOPPE

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Warum Harald Buschmann nicht einfach einen Brief an seine Parteikollegin MdB Patricia Lips schreibt, ist sein Geheimnis.

Der Energiemonitor der Hessenagentur weist für den Odenwaldkreis eine installierte Leistung von 95MW aus. Die mit diesen Anlagen erzeugte Strommenge von 151 GWh reicht gerade für den reinen Stromverbrauch der Odenwälderinnen. Für den Gesamtbedarf der Bevölkerung und des Gewerbes an Energie kann man zusätzlich mit der doppelten Menge rechnen, sofern man/frau nicht bereit ist, Strom einzusparen. Odenwald-CDU nimmt 10 Jahre alte Feststellungen des TÜV-Süd nicht zur Kenntnis Vor genau 10 Jahren hat die damalige CDU-geführte Landesregierung vom TÜV-Süd ein Gutachten zum Potential der Windkraftnutzung ausarbeiten lassen. Dieses Gutachten kann man anzweifeln, man kann es aber auch lesen. Es weist für den Odenwaldkreis auf den Höhenzügen zwei Nord-Süd-Korridore aus, auf denen Windgeschwindigkeiten von 5,75 bis 6,5 m/s errechnet werden. Diese Windgeschwindigkeiten – seinerzeit als Schwachwind bezeichnet, um eine Abgrenzung zum Starkwind an der Küste deutlich zu machen – sind für moderne Windmühlen völlig ausreichend. Ein heute geplantes Windrad kann damit pro Stunde den Jahresstrombedarf von 2 Haushalten erzeugen, bei 2.000 jährlichen Betriebsstunden würde das für 4.000 Haushalte ausreichen.

 

Don Quichotte lässt grüßen

Dessen ungeachtet bezeichnet die CDU nun den Odenwald mit dem Etikett ‚Schwachwindgebiet‘. Welche Assoziationen damit geweckt werden sollen, ist für den BUND nicht klar. Klar wird nur die Position ‚wir wollen keine Windräder im Odenwaldkreis‘. Woher nach der Auffassung der CDU der Strom herkommen soll, wenn Ende 2022 endlich die letzten Atomkraftwerke abgeschaltet werden, bleibt unbekannt. Hierzu sind politische Positionen mehr als überfällig. Auf der Welt-Klima-Konferenz Anfang Dezember 21 in Glasgow wurde erneut deutlich, dass es am politischen Willen fehlt, die Erkenntnisse der Klimaentwicklung in Handlungen zu überführen, die ein Ende der Fahrt in die Katastrophe ermöglichen. Eine Verdreifachung der heute installierten Stromproduktion im Odenwaldkreis ist für eine seriöse Planung die Basis, von der auszugehen ist.

 

Neues Zugpferd Photovoltaik

In einigen Kommunalparlamenten haben – auch durch die CDU gefördert – Diskussionen um großflächige Photovoltaikanlagen begonnen. Einige Entscheidungen sind bereits gefallen, ohne dass es zu dieser Technologie eine kreisweite Strategie gäbe. Nach Einschätzung des BUND führt die Ablehnung der Windkraft durch politische Mehrheiten dazu, das mittelfristig 750ha Odenwälder Grünland oder Äcker für diese Anlagen bereitzustellen sind, wenn das gesamtdeutsche Ziel der Energiewende in 30 Jahren erreicht sein soll. Pro Jahr müsste danach im Kreis eine Anlage in der in Mossautal andiskutierten Größe von 25 ha gebaut werden.

 

BUND-Forderung

Harald Hoppe (BUND-Vorstandssprecher) fordert die Politikerinnen des Kreistags auf, statt einer Schaufensterdebatte über die für den Kreis bedeutsame Weichenstellung in der Energieversorgung zu sprechen. Es sollte klar gemacht werden, was die verschiedenen Energieträger, die im Kreis absehbar verfügbar sein könnten, für die Bevölkerung leisten und welche Konsequenzen das hätte. Das Kreisentwicklungskonzept wäre eine passende Plattform für solche Diskussion. Mit plakativen Resolutionen, die zudem die eigene Politikgeschichte nicht wahrhaben wollen, ist niemandem gedient. Für den Umweltverband fehlt an erster Stelle eine Kreisförderung der Einsparung beim Energieverbrauch. Hier besteht leider ein schwarzes Loch in der Diskussion sowie in der Strategieplanung.

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