PRESSEMITTEILUNG VON HARALD HOPPE
Vielmehr traten auch im Odenwaldkreis jahrzehntealte und ebenso lange fortgesetzte Versäumnisse ans Licht, zu deren Beseitigung kein wirklicher politischer Wille erkennbar ist. Nach Auffassung des Umweltverbandes handelt die Politik hier entschieden gegen den durch viele Umfragen dokumentierten Willen der Bevölkerungsmehrheiten.
Energiefrage
Auch im abgelaufenen Jahr wurde keine klare Linie in der Energiefrage gefunden. Die Parlamente der Kreiskommunen stellten in mehreren Beschlüssen ihre Verweigerung gegenüber erneuerbaren Energien unter Beweis. Die Frage, woher denn der Strom 2030 bezogen werden soll, wurde stets übergangen. Die zum Teil begründeten Artenschutzgründe wurden dann aber bei anderen Planungen nicht ebenso konsequent angewendet. Der BUND hält viele der Gegenargumente gegen Windräder für Instrumentalisierungen des Artenschutzes, die in der Fachwelt strittig diskutiert werden. Ein Energiekonzept des Odenwaldkreises ist auch 2020 nicht erstellt worden – es wird immer noch nur auf Teilbereichen gearbeitet. Statt dessen gibt der Landkreis - auf Rechnung der Kommunen – 100.000€ für ein zweifelhaftes Normenkontrollverfahren aus. Geld, das in solcher Menge für Naturschutzprojekte des Kreises noch nie zur Verfügung stand.
Verkehr
2020 wurden vom Umweltverband Verkehrsprojekte auf Gemeindeebene begleitet. In Höchst i. Odw. wurde zäh um die Berücksichtigung des Radverkehrs bei Straßenbauprojekten diskutiert. Hier zeigt sich, wie wenig neues Fachwissen der Verkehrsplanung bei den Gemeindeverwaltungen angekommen ist. Es ist erschreckend, dass 2020 angesichts nationaler Radverkehrsprogramme im ländlichen Raum noch immer der Automobilverkehr als einzige Art der Ortsveränderung durchgesetzt und öffentlich finanziert wird. Von einer an hiesige dörfliche Verhältnisse angepassten Verkehrsplanung sind Odenwaldkommunen und der Kreis noch weit entfernt. Die Erfahrungen mit Raduntersuchungen in Höchst i. Odw., Michelstadt und Erbach zeigen, dass auch das für 2021 angesagte Kreisprojekt voraussichtlich ein Papiertiger werden wird.
Demonstrationen gegen unsinnigen Straßenbau gab es 2020 auch im Odenwaldkreis – 12 Eichen an der B460 bei Hüttenthal sind die Odenwälder Parallele zum Dannenberger Forst. Auch im Kreis ist von Einsicht in veränderte Gesamtsituationen leider nichts zu spüren.
Der BUND sieht sein Engagement für die Odenwaldbahn noch immer im Gewirr der Zuständigkeiten als Misserfolg. Es ist mittelfristig keine wesentliche Verbesserung der Bedienungsqualität auf der Odenwaldbahn in Sicht. Wohlmeinende Briefe aus Erbach helfen nicht wirklich, die Benachteiligung des Kreises durch den RMV zu beenden und die seit Jahrzehnten bekannten Missstände zu beheben. Wer ernsthaft daran denkt, im Jahr 2030 täglich 10.000 Autofahrten aus dem Kreisgebiet nach Norden auf die Bahn zu verlagern, müsste schon längst konkrete Projekte dafür angestoßen haben.
Naturschutz
Der BUND bedauert die immer noch unzureichende personelle Ausstattung der Naturschutzbehörde. Mit drei Sachbearbeitern kann diese Stelle nur die nötigsten Reaktionen auf Planungen und Bauanfragen leisten. Eine eigenständige Umweltaktivität in Form von kreisweiten Naturschutzprojekten ist nicht in Sicht. Der Kreistag verweigert beharrlich jedes Jahr eine Aufstockung des Stellenplans der Naturschutzbehörde. Von der ‚Verbesserung‘ der zum Jahresanfang umorganisierten Verwaltung hat der BUND leider nichts mitbekommen. Auch in 2020 wurde kein neues Naturschutzgebiet im Odenwaldkreis ausgewiesen.
Das Eintreten für eine geschützte Tierart – den Biber – führte trotz eines runden Tisches in Bad König zu keinem zufriedenstellenden Resultat. Statt dessen hat der BUND ständige Übergriffe auf den Lebensraum der Tiere dokumentiert – ohne Antwort von der zuständigen Stadt zu erhalten.
Mit einer flächendeckenden Entfernung von Misteln in Michelstadt reagierte der Umweltverband erstmals im Kreis auf das drängende Problem, das den Bestand der Streuobstwiesen im Kreis zu vernichten droht. Der Versuch, hieraus ein Projekt für den Odenwaldkreis zu machen, scheiterte an der fehlenden Bereitschaft der Bewilligungsstelle, die Idee aufzugreifen und weiter zu verfolgen.
Landwirtschaft
Die Zusammenarbeit zwischen Umweltverbänden und Landwirten war 2020 erfolgreich wie nie zuvor. Ein Gesprächskreis aus 2018 erzielte in diesem Jahr erste greifbare Resultate auf zwei Betrieben. Eines der größten von einem Umweltverband jemals im Kreis durchgeführten Naturschutz-Projekte wurde im vergangenen Jahr begonnen. Die Fördermittel des Landes wurden vom BUND beantragt und ihm bewilligt. Der Verband wünscht sich viele solcher Projekte für den Naturschutz in den Kommunen – sie müssten nur von dort aus angestoßen und bearbeitet werden. Hier sieht BUND-Sprecher Harald Hoppe ein lohnendes Tätigkeitsfeld: „Die Gemeinden sind zum Glück noch im Besitz von vielen für den Naturschutz interessanten Flächen. Sie sind auch die ersten, die bei Verkäufen informiert sind und könnten Vorkaufsrechte für die Allgemeinheit ausüben. Dazu benötigen sie nichts weiter als ein Naturschutzkonzept für ihr Gebiet. Die Finanzierung durch Förderprogramme ist kein Problem.“
Lokale Details zu den Aktivitäten des BUND Odenwald sind auf der interaktiven Karte und schriftlich auf den Seiten 'Engagement vor Ort' sowie im Archiv der Pressemitteilungen zu finden.