BUND beseitigt Misteln in Michelstadt

15. Dezember 2020 | Pressemitteilung, Streuobstwiesen

Am Gräsighang werden im Dezember 2020 und Januar 2021 flächendeckend Misteln entfernt.

PRESSEMITTEILUNG VON HARALD HOPPE

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Die Verwaltungen der Kommunen und des Kreises schauen seit Jahrzehnten tatenlos zu, wie die ‚gesetzlich geschützten‘ Streuobstwiesen des Odenwaldes allmählich verschwinden. Die Mehrzahl der alten Baumbestände wird von den Eigentümerinnen nicht mehr gepflegt. Die Folge davon ist eine zunehmende Verwahrlosung der Bäume, die mittelfristig zum Verschwinden der Streuobstwiesen führen wird.

Die an diesem Kulturgut interessierten Menschen werden von den Verwaltungen in der Regel alleine gelassen – nur ausnahmsweise werden letztere von sich aus beim Thema Streuobstwiesen aktiv. Die Baumpflege gehört zu den nur mäßig nachgefragten Förderinstrumenten der Landschaftspflege.
Der Klimawandel hat die Situation durch die explosionsartige Vermehrung der Mistel verschärft. Jetzt sind die alten Bäume nicht nur durch Sturmschäden gefährdet, sondern sie werden im Wortsinn  ausgesogen und sterben.

Mittlerweile gehören immergrüne Apfelbäume, deren Kronen hauptsächlich aus Misteln bestehen, zum Wahrzeichen des Odenwaldes.

Dieser Entwicklung geht jetzt der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) entgegen. Der BUND Odenwald setzt erstmals im Kreisgebiet einen Gewinn aus der Umwelt-Lotterie GENAU für die Bekämpfung der Misteln auf einer größeren Fläche in Michelstadt ein.

Am Gräsighang wird der Bereich zwischen Kiliansfloss und der Stadtgrenze nach Erbach flächendeckend von Misteln befreit. Der Umweltverband hat die Firma Kletterspezialisten aus Asselbrunn mit den Arbeiten beauftragt. BUND-Sprecher Harald Hoppe: „Diese Arbeit – in den teils 10m hohen Kronen – ist für unsere älter gewordene Mitgliedschaft ehrenamtlich nicht zu leisten. Zudem ist sie gefährlich. Wir haben daher den professionellen Einsatz gewählt, um das Problem Misteln endlich einmal anzugehen. Gesprochen wurde darüber in den vergangenen 20 Jahren ausreichend.“
Weder Kommunen noch ein Antrag bei der Interessengemeinschaft Odenwald, die EU-Mittel zur Förderung der Agrarstruktur verwaltet, hatten mit Geldbewilligung einen vergleichbaren Einsatz möglich gemacht.

Die Stadtverwaltung von Michelstadt hat im November die Eigentümer der Grundstücke um ihr Einverständnis zur BUND-Aktion gebeten. Ab sofort werden jetzt die Kletterspezialisten die Misteln entfernen. Das Schnittgut wird am Ende der Aktion beseitigt.

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